Für Wingenfelder, in Hamburg geboren, in
Hannover aufgewachsen und den es jetzt der Liebe wegen ins
Bergische Land verschlagen hat, war der Auftritt in
Finnentrop schon fast ein Heimspiel. Von fetzigen
Rockeinlagen bis zu melancholischen Stücken war das Spektrum
des Trios breit gefächert. Wingenfelder schilderte seine
Sicht der Dinge, erklärte seine Heimat und berichtete vom
Leben als Familienvater. Heimat ist für TW keine hohle
Phrase, er setzt sich mit ihr auseinander. „Mit dem Kopf
nach unten, kann man halt nicht nach vorne sehen“, so TW
über die Deutschen, die immer noch im gebeugten Gang ihre
Geschichte sühnen. Die Frage, „Wer bin ich, wo komm ich her,
wo geh ich hin?“ treibt ihn immer wieder an.
Songs seines ersten Soloalbums „Driftland“ wechselten sich
mit Titeln des aktuellen Longplayers „360 Grad Heimat“ ab,
Fury-Songs fehlten ebenso wenig im Repertoire wie der
„Wetterprophet“ von Musikkollege Stoppok. Familiär, locker,
ein Star zum Anfassen, der nach dem Gig geduldig Autogramme
schrieb, CDs signierte und manches Pläuschchen am
Nierentisch der alten Kinokasse hielt. Ein rundum gelungener
Abend der Kulturgemeinde Finnentrop. Standing Ovations für
ein Unplugged-Konzert mit Gänsehautgarantie, das anfangs
noch zu scheitern drohte, laborierte Thorsten Wingenfelder
doch an einem plagenden Magen- und Darmvirus. Doch der
Musiker erwies sich als echter Profi und trat den Beweis an,
dass Musik doch die beste Medizin ist.