Datum: 04.03.2007

Quelle: Kai Hoffmann

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Finnentrop. (ff) „Hier habt ihr eine richtig kleine Perle geschaffen“, begeisterte sich Thorsten Wingenfelder am Samstag bei seinem Konzert im „neuen“ Finnentroper Kino. Eine stimmige Illumination, die den urigen Charakter des altehrwürdigen Gemäuers unterstrich, verwandelte den runderneuerten Saal in ein wahres Schmuckstück.

Rund 150 Zuschauer boten den Rahmen für ein Konzert der etwas anderen Art. Wer ist eigentlich Thorsten Wingenfelder? Doch diese Frage hatte sich nach den ersten Tönen des Abends schnell erübrigt. „Die Stimme kenne ich doch“, dachten sich die Zuhörer im Saal. Der Gitarrist der Kultband Fury in the Slaughterhouse konnte seine Wurzeln kaum verbergen. Zahlreiche Fury-Klassiker wie „Won't forget these days“, „Radio Orchid“ und „Time to wonder“ stammen aus seiner Feder und bei „Then she said“, „Haunted head and heart“ und „Nada es“ fungierte er auch als Leadsänger.

In bester Singer- und Songwriter-Manier stand Wingenfelder, der mit einer schnuckeligen Akustik-Besetzung nach Finnentrop gekommen war, mit geiler Gänsehautstimme auf der eigens für Kleinkunst und Konzerte vergrößerten Kinobühne. Mit Ecki Hüdepohl am E-Piano und Peter Jordan an der Akustikgitarre hatte Thorsten Wingenfelder zwei Weggefährten an seiner Seite, die schon am Gymnasium Großburgwedel zusammen die Schulbank drückten. „Lass uns die Unperfekten sein“, so der Titel der aktuellen Single-Auskopplung, traf für die drei Vollblutmusiker absolut nicht zu.

Für Wingenfelder, in Hamburg geboren, in Hannover aufgewachsen und den es jetzt der Liebe wegen ins Bergische Land verschlagen hat, war der Auftritt in Finnentrop schon fast ein Heimspiel. Von fetzigen Rockeinlagen bis zu melancholischen Stücken war das Spektrum des Trios breit gefächert. Wingenfelder schilderte seine Sicht der Dinge, erklärte seine Heimat und berichtete vom Leben als Familienvater. Heimat ist für TW keine hohle Phrase, er setzt sich mit ihr auseinander. „Mit dem Kopf nach unten, kann man halt nicht nach vorne sehen“, so TW über die Deutschen, die immer noch im gebeugten Gang ihre Geschichte sühnen. Die Frage, „Wer bin ich, wo komm ich her, wo geh ich hin?“ treibt ihn immer wieder an.

Songs seines ersten Soloalbums „Driftland“ wechselten sich mit Titeln des aktuellen Longplayers „360 Grad Heimat“ ab, Fury-Songs fehlten ebenso wenig im Repertoire wie der „Wetterprophet“ von Musikkollege Stoppok. Familiär, locker, ein Star zum Anfassen, der nach dem Gig geduldig Autogramme schrieb, CDs signierte und manches Pläuschchen am Nierentisch der alten Kinokasse hielt. Ein rundum gelungener Abend der Kulturgemeinde Finnentrop. Standing Ovations für ein Unplugged-Konzert mit Gänsehautgarantie, das anfangs noch zu scheitern drohte, laborierte Thorsten Wingenfelder doch an einem plagenden Magen- und Darmvirus. Doch der Musiker erwies sich als echter Profi und trat den Beweis an, dass Musik doch die beste Medizin ist.


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