Finnentrop. (ff) Der „böse Blick“ ist
nicht etwa die finstere Mine, die ein VW-Fahrer aufsetzt, wenn er
von einem Opel überholt wird. Vielmehr bezeichnet der tuningfreudige
Autonarr als „bösen Blick“ die tiefgezogene Motorhaube, unter der
die Scheinwerfer wie unter einem hängenden Augenlid hervorblinzeln.
Bei strahlendem Sonnenschein
präsentierten am gestrigen Sonntag rund 500 Fahrzeugbesitzer ihre
Schätze der kritischen Jury, die in den verschiedensten Kategorien
die begehrten Punkte zu vergeben hatte. Der erste Vorsitzende des
VW-Clubs Sauerland, Patrick Selter aus Attendorn, hat mit Lars Beier
und Daniela Flick von der Firma Eibach Federn Ansprechpartner
gefunden, die dieses Event der etwas anderen Art von Beginn an
unterstützten. Beim mittlerweile dritten Szene-Treffen stellte
Eibach wieder das Ausstellungsgelände und die Versorgungsleitungen
zur Verfügung.
Hunderte von Besuchern drängelten durch
die endlose Fahrzeugschlange. Staunende Blicke auch beim VW von Kay
Liese, der mit seinem Golf IV eigens aus Ludwigshafen angereist war.
Auf der fast dreistündigen Anfahrt schütze ein passgenauer,
schwarzer Überzug, der eher an einen Erlkönig aus der Autoindustrie
erinnerte, die Frontpartie des sündhaft teuren Lacks vor Steinschlag
und Fliegenschiss. Allein die aufwendige Rainbow-Lackierung ließ
sich der begeisterte VW-Fan rund 7.000 Euro kosten. Das man mit
solch einem Schmuckstück natürlich nicht täglich zur Arbeitstelle
fährt, versteht sich fast schon von selbst. „Im Alltag fahre ich
einen ganz normalen Golf III“, erzählt Liese, der als Schlosser die
Straßenbahn in Mannheim wartet. Das schmucke Showcar kommt nur am
Wochenende aus der Garage.
Nach der Ankunft in Finnentrop wurde das
Fahrzeug erstmal zwei Stunden lang geputzt, wobei besonders großer
Wert auf den Glanz der verchromten und polierten Felgen gelegt wird,
bevor die Jury ihre Runden dreht. Die Liebe für das Herausputzen
seines Fahrzeug, das im Jahre 2000 einen Neuwert von 15.000 Euro
hatte, beschreibt der 23-jährige ganz nüchtern: „Es ist wie eine
Sucht. Es fing alles mit einem neuen Fahrwerk und Alufelgen an.
Seitdem ist kein Jahr vergangen, in dem keine Änderungen vorgenommen
wurden Alle Überstunden werden nur für das Auto gemacht“. Verrückt ?
Vielleicht ein bißchen – Spinner ? Sicherlich nicht. „Meine Mutter
sagt immer, daß ich mein Geld lieber ins Auto stecken soll, als
womöglich in Drogen zu investieren“, resümiert der bodenständige
Freak, der mit seinem Boliden schon 22 Pokale einheimste.
Bei einem rund 50.000 Euro teuren Auto
ist natürlich jede Bodenwelle für den liebenden Fahrzeugeigner
schmerzhaft: „Daher wird auch nicht rücksichtslos gerast. Auf der
Autobahn fahre ich mal 140 Stundenkilometer, das war`s dann aber
auch“. Es ist eben nur ein Showcar, aus dem vor dem ersten Foto
sogar die Fußmatten, die eigens für die Anreise eingelegt waren,
entfernt werden. Alles Liebe zum Detail, wie auch die monströse
Car-Hifi-Anlage. „Ich habe bei VW-Treffen mit entsprechenden
Wettbewerben mit der Anlage schon 149 Dezibel erreicht“, erklärt der
stolze Hip-Hop-Fan die über 5.000 Watt erzeugende Dampfmaschine.
Selbst der Kindersitz seines sechs Monate alten Sohnes Daniel ist im
Design des Interieurs stilecht mit hellem Leder überzogen. Es ist
eben Liebe bis ins kleinste Detail: „Einen Porsche kann sich jeder
Hansel von der Stange kaufen. Meinen Golf gibt es garantiert nur
einmal“. Noch gab es mit einem entsprechenden Wertgutachten bei der
Wahl der Kaskoversicherung keine Probleme. Mal sehen, wie es nach
dem Motortuning, das im nächsten Winter ansteht, aussieht: „Die
70.000 Euro-Grenze ist durchaus noch zu knacken“.
Sein roter VW Polo GLS begleitet ihn
schon seit seiner Studentenzeit: Karl-Albert vom Heede aus Olpe war
mit seinem Schmuckstück, das sich nahezu im Originalzustand
befindet, zum VW-Treffen angereist. Vom 1980 gebauten Fahrzeug gibt
es nach Angaben des stolzen Erstbesitzers nur noch rund 3000
Exemplare im gesamten Bundesgebiet. „Der Motorblock wurde mal
ausgetauscht, alle anderen Teile sind fast noch im Urzustand“,
erzählte der Polo-Liebhaber, der mit seinem Sohn nach Frielentrop
gekommen war. Mittlerweile hat der VW schon über 200.000 Kilometer
auf dem Tacho und Ersatzteile sind auch immer schwieriger zu
bekommen, doch eine Trennung von seinem alten Schätzchen kommt für
Karl-Albert vom Heede noch lange nicht in Frage. Obwohl er
mittlerweile im Alltag einen VW Variant fährt, holt er das
Liebhaberfahrzeug immer wieder gerne für derlei Enthusiasten-Treffen
aus der Garage. Davon zeugen die zahlreichen Aufkleber auf der
hinteren Seitenscheibe.
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