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Rönkhausen. (ff) Tilly Schusser
ist eine notorische Lügnerin. Ansichtskarten aus Los Angeles
und der Karibik, die im Nachbarort abgestempelt wurden,
entlarven schließlich die resolute Tratschtante, die gerade
noch von ihrem angeblichen Besuch in Paris schwärmte. Unter
ihren ständigen Eskapaden leidet auch Ehemann Isidor (Willy
Weiss), ein vertrotteltes Schosshündchen, das sich als Poet
und Schriftsteller versucht. „Ich bin seine Transpiration“,
ist sich die verunglückte Muse Tilly sicher.
Herzerfrischend, als Debütantin
Birgit Ochel in der Rolle der Tilly, die beim Lügen ertappt
wurde, wie eine Furie in das Wohnzimmer der Stadlhubers
stürmt und die Anwesenden wutentbrannt regelrecht stramm
stehen lässt. Auch ihr Bruder, Schreinermeister Theo
Stadlhuber (Dietmar Schuppert), und seine Gattin Luise
(Sabrina Hoffmann) haben längst gemerkt, dass sie schon seit
geraumer Zeit Tillys Lügen aufgesessen sind, sinnen jetzt
auf Rache. Eine illustere Schar von dubiosen Zeitgenossen
betritt die Bühne: Da ist die geschwätzige Postbotin
Rosamunde „Rosie“ Klapper (Irmi Heitmann), die ständig
neugierige Blicke in die täglich Post der Dorfbewohner
wirft. Der geschäftstüchtige Versicherungsvertreter Max
Kaiser, mit piepsiger Stimme köstlich von Benedikt Müller
verkörpert, der später zum Häuptling „der mit dem Schwein
grunzt“ mutiert. |
Doch auch Max Kaiser von der
Arroganz-Versicherung kann Theo Stadlhuber, der gerne mal
einen über den Durst trinkt, nicht gegen Geldmangel und sein
„Sturm- und Hagelweib“ Luise versichern. Und schließlich
Leopold Schusser, der von Jörg Großmann in Szene gesetzt
wurde, als Kannibalen-Häuptling „Lumumba vom Stamme der
Barcardi“. Am Wochenende ging es in Rönkhausen um
Wetteinsätze, einen Videobeweis, Irrungen und Wirrungen und
Männer in Baströckchen. Am Ende schmorte Tilly im
überdimensionalen Kochtopf. „Die Lügen–Tilly oder
Menschenfresser und Marterpfahl“, ein Lustspiel in drei
Akten von Jürgen Schuster, lockte wieder zahlreiche
Zuschauer in die Schützenhalle. Die Premiere am Samstag
sahen rund 300 restlos begeisterte Theaterfreunde. Das
Verwirrspiel um Lügen und Intrigen strapazierte wieder
ordentlich die Lachmuskeln der Zuschauer und bescherte den
Freizeitschauspielern tosenden Applaus.
Klatschmäuler, Dorftratschen, Indianer und Menschenfresser,
diese brisante Konstellation kann nur einer zusammen
bringen: Unter der bewährten Regie von Hubertus Hoffmann
zogen die Laiendarsteller der Feuerwehr bei den diesjährigen
Vorstellungen wieder alle Register ihres komödiantischen
Könnens. Besonderen Beifall bekamen die Debütantinnen, alle
weiblichen Rollen wurden nämlich von schauspielerischen
Neulingen gespielt. |
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