Datum: 22.10.2006

Quelle: Kai Hoffmann

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Rönkhausen. (ff) Tilly Schusser ist eine notorische Lügnerin. Ansichtskarten aus Los Angeles und der Karibik, die im Nachbarort abgestempelt wurden, entlarven schließlich die resolute Tratschtante, die gerade noch von ihrem angeblichen Besuch in Paris schwärmte. Unter ihren ständigen Eskapaden leidet auch Ehemann Isidor (Willy Weiss), ein vertrotteltes Schosshündchen, das sich als Poet und Schriftsteller versucht. „Ich bin seine Transpiration“, ist sich die verunglückte Muse Tilly sicher.

Herzerfrischend, als Debütantin Birgit Ochel in der Rolle der Tilly, die beim Lügen ertappt wurde, wie eine Furie in das Wohnzimmer der Stadlhubers stürmt und die Anwesenden wutentbrannt regelrecht stramm stehen lässt. Auch ihr Bruder, Schreinermeister Theo Stadlhuber (Dietmar Schuppert), und seine Gattin Luise (Sabrina Hoffmann) haben längst gemerkt, dass sie schon seit geraumer Zeit Tillys Lügen aufgesessen sind, sinnen jetzt auf Rache. Eine illustere Schar von dubiosen Zeitgenossen betritt die Bühne: Da ist die geschwätzige Postbotin Rosamunde „Rosie“ Klapper (Irmi Heitmann), die ständig neugierige Blicke in die täglich Post der Dorfbewohner wirft. Der geschäftstüchtige Versicherungsvertreter Max Kaiser, mit piepsiger Stimme köstlich von Benedikt Müller verkörpert, der später zum Häuptling „der mit dem Schwein grunzt“ mutiert.

Doch auch Max Kaiser von der Arroganz-Versicherung kann Theo Stadlhuber, der gerne mal einen über den Durst trinkt, nicht gegen Geldmangel und sein „Sturm- und Hagelweib“ Luise versichern. Und schließlich Leopold Schusser, der von Jörg Großmann in Szene gesetzt wurde, als Kannibalen-Häuptling „Lumumba vom Stamme der Barcardi“. Am Wochenende ging es in Rönkhausen um Wetteinsätze, einen Videobeweis, Irrungen und Wirrungen und Männer in Baströckchen. Am Ende schmorte Tilly im überdimensionalen Kochtopf. „Die Lügen–Tilly oder Menschenfresser und Marterpfahl“, ein Lustspiel in drei Akten von Jürgen Schuster, lockte wieder zahlreiche Zuschauer in die Schützenhalle. Die Premiere am Samstag sahen rund 300 restlos begeisterte Theaterfreunde. Das Verwirrspiel um Lügen und Intrigen strapazierte wieder ordentlich die Lachmuskeln der Zuschauer und bescherte den Freizeitschauspielern tosenden Applaus.

Klatschmäuler, Dorftratschen, Indianer und Menschenfresser, diese brisante Konstellation kann nur einer zusammen bringen: Unter der bewährten Regie von Hubertus Hoffmann zogen die Laiendarsteller der Feuerwehr bei den diesjährigen Vorstellungen wieder alle Register ihres komödiantischen Könnens. Besonderen Beifall bekamen die Debütantinnen, alle weiblichen Rollen wurden nämlich von schauspielerischen Neulingen gespielt.


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