Datum: 08.01.2006

Quelle: Kai Hoffmann

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Finnentrop. (ff) Die physikalische Seite der komplexen Technologie ist für Laien schnell erklärt: Die aufzubringende Sendeleistung eines Handys paßt sich der Entfernung zum nächsten Sendemast an. Somit ist ein dichtes Netz von Sendemasten durchaus erstrebenswert, die gesendete Strahlung soll sich damit nach Meinung der Betreiber im unteren Bereich bewegen. Doch wenn es um das höchste Gut des Menschen, die Gesundheit, geht, wird die Diskussion um Sendemast-Standorte vornehmlich im emotionalen Bereich geführt.

Über 200 besorgte Eltern, Lehrer, Anwohner und Kommunalpolitiker fanden sich gestern abend zu einer Informations-Veranstaltung, zu der die Verwaltung auf Anregung der drei Schulpflegschaften eingeladen hatte, im Ratssaal ein. Da lediglich ein Sprecher der T-Mobil anwesend war, fragten sich viele der Anwesenden, ob die Personaldecke bei Vodafone als zweitem Anlagennutzer so eng ist, daß es der Mobilfunkbetreiber nicht einmal für nötig hielt, einen Unternehmenssprecher zur brisanten Diskussion nach Finnentrop zu entsenden. Oder schiebt der Netzbetreiber etwa der Kommune den schwarzen Peter zu, damit die Verwaltung die Suppe, die sie sich durch ihre unsensible Informationspolitik selbst eingebrockt hat, nun auch auslöffeln kann.

Finnentrops Beigeordneter Aloys Weber zeigte bei seinen einleitenden Worten die rechtlichen Rahmenbedingungen auf, bevor Friedhelm Gehlen von der Netzentwicklung der T-Mobile auf die Anlage im Schulzentrum einging.

Gleich zu Beginn der standardisierten Ausführungen kamen die ersten Zwischenfragen, die Dietmar Heß nur zähneknirschend zuließ. Das Nervenkostüm des Bürgermeisters wirkte aufgrund der bohrenden Fragen sichtlich angekratzt. Anwohner Thomas Feldmann empfand die Beantwortung seiner Fragen durch Finnentrops ersten Bürger als „unzureichend und teilweise unverschämt“. Im Rahmen der hitzigen Diskussion wurde der Ruf nach einem Mediziner laut, der über die möglichen Gesundheitsschäden hätte aufklären können.

Bereits seit 2003 befindet sich ein Sendemast des Betreibers Eplus auf dem Rathausdach, die Baugenehmigung für die neue Anlage an der Dreifach-Turnhalle wurde im Oktober 2005 erteilt. Friedhelm Gehlen meinte zur Notwendigkeit der Anlage: „Die Mobilfunknutzer sind die Architekten unseres Funknetzes. Wir kommen nur der gestiegenen Nachfrage nach“, und bemühte erneut das St.-Florians-Prinzip, wo nach zwar „alle und überall mobil telefonieren wollen, aber niemand die Basisstationen vor der Haustür haben möchten“. Die kontroverse Standortdiskussion dauerte bei Redaktionsschluß noch an, wir berichten noch.

 

 

 


Finnentrop. (ff) „An der Tatsache, dass der Sendemast neben der Dreifach-Turnhalle errichtet wurde, ist nichts mehr zu rütteln und die Anlage geht im Juni in Betrieb“, so könnte der Tenor der Info-Versammlung zum Mobilfunkmasten, der auf die T-Mobile-interne Bezeichnung „Finnentrop 10“ hört, am Montagabend im Ratssaal lauten. Bürgermeister Dietmar Heß meinte, man könne froh sein, dass die Verwaltung „überhaupt mit im Boot ist“ und die Anwohner zu einer Info-Veranstaltung eingeladen hat: „Wenn der Sendemast am Alternativstandort Kopernikusstraße 14 errichtet worden wäre, hätte die Gemeinde überhaupt kein Mitspracherecht gehabt“.

Torsten Tillmann zweifelte an, ob gerade diese Alternativstandorte überhaupt ausreichend auf ihre funktechnische Tauglichkeit geprüft worden sind. Die Anlage „Finnentrop 10“, die von der „Deutschen Funkturm GmbH“ errichtet wurde, soll nach ihrer Inbetriebnahme den Sendemast „Lennestadt 70“ auf der Vermittlungstelle der T-Com am Killeschlader Weg ersetzen, der seinerzeit zur GSM-Grundversorgung errichtet wurde.

Nach Aussage von Friedhelm Gehlen von T-Mobile, der am Montag die technische Seite vorstellte, sollen am neuen Sendemast zukünftig drei Antennen für das sogenannte GSM-Netz, das vornehmlich für die Sprachübertragung vorgesehen ist, und drei Elemente für UMTS von Vodafone installiert werden. Weiterhin sind drei Elemente der T-Mobile für UMTS geplant. Auch die Immissionsprognose, die von Gehlen durchgeführt wurde, sieht diese Antennen-Konstellation bereits vor.Doch die nüchternen Zahlen konnten die Anwohner nicht beruhigen, vielmehr fühlten sich die Anwesenden durch die ständige Vertröstung bei der Beantwortung ihrer Fragen in ihrer Auffassung bestärkt, nicht ausreichend informiert zu werden. Auf die deutlich niedrigeren Grenzwerte im europäischen Umland angesprochen, meinte Gehlen: „Glauben sie wirklich, dass in Russland irgendjemand diese Grenzwerte überprüft“. Diese Aussage trug nicht gerade dazu bei, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. Im Zuge der kontroversen Diskussion warf Franz-Josef Vollmert dem Finnentroper Verwaltungschef vor, die Sorgen seiner Bürger nicht ausreichend ernst zu nehmen.

Obwohl Heß im Vorfeld die Bitte ausgesprochen hatte, dass sich die Debatte bei allen Vorbehalten gegen die Sendeanlage „in einem adäquaten Rahmen bewegen sollte“, konnte sich auch der Bürgermeister einige verbale Entgleisungen nicht verkneifen.Während die Netzbetreiber für die Kinder in den Schulen und die Anwohner keine gesundheitlichen Risiken sehen, fühlten sich die besorgten Bürger am Montag nur einseitig informiert. Während Heß die Bedenken als reine „Glaubensfragen“ bezeichnete, forderten die Anwesenden Informationen eines unabhängigen Mediziners, der über die möglichen Gesundheitsschäden aufklärt. Letztendlich sieht Friedhelm Gehlen von T-Mobile allerdings keine Chance, den Masten wieder zurück zu bauen: „Wir haben rund 120.000 Euro an diesem Standort investiert und bestehen auf Vertragserfüllung“. Abschließend meinte der Beigeordnete Aloys Weber: „Es ist jedem Bürger  freigestellt, gegen die Sendeanlage Widerspruch einzulegen“. Das Ergebnis der Veranstaltung kann für die besorgten Bürger nur als unbefriedigend gewertet werden.

 

 

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