Bamenohl. (ff) Vor vier Jahren sollte die dritte Mannschaft der SG Finnentrop/Bamenohl dem Rotstrich zum Opfer fallen. Philipp David, begeisterter Fußball-Enthusiast, setzte sich seinerzeit vehement für den Erhalt der Truppe ein. Unter dem Motto „dann mach mal“ wurde von der Vereinsführung kurzerhand der große Fürsprecher auch zum Trainer, Manager, einfach zum Mädchen für alles auserkoren.
Der schwächelnde Kader von fünf Spielern wurde inzwischen zur multikulturellen Truppe mit 19 Kickern aus sieben Nationen ausgebaut. „Wir haben alles dabei, von Afrika bis zur Schweiz“, berichtet Bummi, wie ihn seine Freunde rufen, nicht ohne Stolz über den enormen Zuwachs. „Am Anfang war ich mal so durch den Wind, da habe ich gleich sieben Freundschaftsspiele in einer Woche angenommen“, erzählt der liebenswerte Chaot. Überhaupt steht der Spaß an der Sache mehr im Vordergrund als verbissener Ehrgeiz. Obwohl sich die Mannschaft im Bezug auf ihren sportlichen Erfolg nicht zu verstecken braucht. Waren die Jungs vor vier Jahren mit 133 Gegentoren noch Vorletzter der Kreisliga C, so schlossen sie die diesjährige Saison als Viertplatzierter ab.
Als sportlich größter Erfolg werten die Freizeitkicker einhellig den zweimaligen Triumph gegen die zweite Mannschaft des eigenen Vereins. Die höchste Niederlage erlebte die illustre Truppe mit einem 17:1 in Trockenbrück, feierte gegen Ostentrop aber auch schon einen überragenden 10:0-Sieg. „Bei einem Aufstieg in die Kreisliga B hätten wir uns alle ein Tattoo mit den Lettern SG 3 stechen lassen“, berichtet Tattoofan Bummi über den phänomänalen Zusammenhalt in der Mannschaft: „Ich hatte auch schon einen Tätowierer in Duisburg aufgetan, der uns für diesen Fall kostenlos seine Dienste angeboten hatte“.
Am Sonntag ging nun die Trainer-Ära von Schalkefan Bummi zu Ende. Der 28jährige Handelsfachpacker hat geheiratet und Sohn Caspar Friedrich ist inzwischen schon sechs Monate alt. Ehefrau Yvonne, die ihren Bummi bisher bei seinen exzessiven Aktivitäten immer unterstützt hat und bei der dritten Mannschaft den Telefondienst abwickelte, plant und baut das gemeinsame Nest, ein Einfamilienhaus in Bamenohls Mitte: Ein Unikum wird offensichtlich seßhaft. Am Sonntag bereiteten ihm Bommel, Kaiser, He-man, Rettich, Schalker, Mafia und wie die Jungs alle heißen einen würdigen Abgang. Im feinen Zwirn mit Schlips und Kragen traf sich die Mannschaft vor dem letzten Spiel gegen die vereinseigene B-Sortierung auf dem Schützenplatz in Bamenohl und marschierte geschlossen zum Graf-Adolf-Sportplatz.
Ob Bummi es jetzt wirklich ruhiger angehen läßt, bleibt zu bezweifeln. „Bis Schalke endlich mal wieder Deutscher Meister wird, fahre ich noch zu jedem Pflichtspiel“, ist sich Philipp David, dessen Hinterteil ein Tattoo vom Schalker UEFA-Cup-Erfolg 1997 ziert, absolut sicher. „Darüber wird Bummi allerdings noch hundert Jahre alt werden müssen“, lästert sein bester Freund und HSV-Fan Rettich alias Mario Klimpel. „Der Fischkopp muß gerade den Hafen aufmachen“, hat Bummi wieder mal das letzte Wort.
klick auf die Bilder zur Vergrößerung
Text und Bilder von Kai Hoffmann