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Finnentrop. (ff) Die Bewohner und auch
die Nachbarn fühlten sich im massiven Keller der Schreinerei Anton
Richard an der Horst-Wessel-Straße (heute Bamenohler Straße) während
der Luftangriffe der alliierten Streitkräfte immer sicher
aufgehoben. Der eigentliche Luftkrieg im Kreisgebiet begann im
Herbst 1944, als die Alliierten bereits auf rheinischem Boden
kämpften und bestrebt waren, die Eisenbahnverbindungen des deutschen
Heeres zu zerstören. Die Angriffe galten vornehmlich der oberen
Ruhrtalbahn und der Ruhr-Sieg-Strecke, die in Finnentrop zum
Hauptangriffsziel wurde. Die Angriffe erfolgten bei hellem Tage
durch leichte Jagdbomber („Jabos“) und richteten sich gegen die
Bahnanlagen. Ab dem 13. März 1945 verstärkten sich die Angriffe auf
Ziele in Finnentrop.
Bereits am frühen Morgen des 19. März
1945, als Pastor Bitter den morgendlichen Gottesdienst beendet
hatte, heulten die Sirenen auf und starke Fliegerverbände zogen bei
strahlendblauem Himmel durch das Lennetal in Richtung Heggen. Die
Bahn in Finnentrop war zum strategisch wichtigen Ziel für die
anfliegenden Jagdbomber geworden. Ab acht Uhr geriet der Bahnhof und
der Sportplatz unter Bordwaffenbeschuß der „Thunderbolts“. Auch
neben der Kirche gab es mehrere Einschläge, bevor gegen 10.30 Uhr
der vermeintlich sichere Unterschlupf in der Schreinerei Richard zur
tödlichen Falle für 36 Menschen wurde. Das Haus wurde durch einen
Volltreffer von den quer zur Bahn angreifenden Bombern völlig
zerstört. Die Decke des Heizungskellers brach unter der Last der
schweren Maschinen zusammen und begrub die darin Schutzsuchenden
unter sich. Bürgermeister Feldmann notierte seinerzeit zu diesem
Angriff: „...17 Zivilpersonen tot und etwa zehn bis 15 Zivilpersonen
unter den Trümmern begraben, welche wahrscheinlich auch tot sind“.
Die Vermutung, daß sich unter den
Trümmern weitere Todesopfer befanden, wurde heute vor 60 Jahren zur
bitteren Wahrheit. Bei dem bis dahin schwersten Luftangriff fanden
nicht nur zahlreiche Erwachsene den Tod, auch 15 Kinder im Alter von
einem Jahr bis 15 Jahren waren unter den Opfern zu beklagen. Die
Opfer, die bis zur Unkenntlickeit verstümmelt wurden, stammten fast
alle aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Schreinerei: Anwohner
der Horst-Wessel-Straße, Ludendorffstraße (heute Schönholthauser
Weg) und der Hauptstraße (B 236). Der Gärtner Wilhelm Schäfers,
damals besser als „Ackermann“ bekannt, verlor an diesem schwärzesten
Tag des ausklingenden Krieges seine Ehefrau, vier Söhne und seine
Schwiegereltern. Er selbst arbeitete an diesem Morgen in der
Baumschule in Lenhausen. Als er von den Angriffen in Finnentrop
hörte, machte er sich sofort auf den Heimweg, mußte sich aber
unterwegs im Eisenbahntunnel zwischen Finnentrop und Müllen vor den
Jagdbombern in Sicherheit bringen.
„Das große Loch im Kellerboden konnten
wir erst mit Beton ausbessern, als mein Vater bereits verstorben
war“, erinnert sich Walter Schäfers, der älteste Sohn aus der
zweiten Ehe von Wilhelm Schäfers, noch genau an diese mahnende
Erinnerung an diesen traurigen Tag im damals sonnigen März. Der
englische Bomberpilot kam nochmal an den Ort der grausamen
Geschehnisse zurück. „Vor rund 30 Jahren stand auf einmal ein
älteres, englisches Ehepaar vor der Tür“, erinnert sich Walter
Schäfers nur noch dunkel an die damalige Vergangenheitsbewältigung
des alliierten Bomberpiloten.
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Schreinermeister Anton Richard (rechts) mit seiner Ehefrau
Maria Elisabeth und Bernhard Ludwig Schäfers, die alle heute
vor 60 Jahren im vermeintlich sicheren Schutzraum der
Schreinerei den Tod fanden. |
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| Die
damalige Schreinerei Richard, die von Jupp Schmies im Jahre
1946 im Nachhinein aus dem Gedächtnis gemalt wurde. Das
Haus, von dem nur noch die Grundmauern standen, wurde nach
dem Krieg von Wilhelm „Ackermann“ Schäfers wieder aufgebaut
und wird noch heute von der Familie Schäfers bewohnt. |
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