Attendorn. (ff) Sein letztes Gastspiel in Attendorn datierte aus dem Jahre 2002, jetzt strömten die Freunde der deftigen Direktheit wieder in Scharen in die Stadthalle. Jürgen von der Lippe, der tags zuvor seinen 56. Geburtstag feierte, gab sich am Mittwoch unter dem Motto „Alles was ich liebe“ die Ehre und legte von Beginn an mächtig los. Seine Schilderungen vom Grillen der FKK-Freunde reizten gleich die Tränendrüsen vor Lachattacken: „Sie haben da eine Raupe am Glied. Nein, nein, das sind Krampfadern.... vom vielen Stehen“. Diese Art von Humor zog sich wie ein roter Faden durch das alterslose und ungehemmte Programm, ohne dabei plump oder gar penetrant zu wirken. Jürgen von der Lippe verstand es immer wieder selbst die schlüpfrigsten Themen anzusprechen, die finalen Gedanken dann aber der Vorstellungsgabe der rund 900 begeisterten Zuschauer zu überlassen.

Musik-Schamane Mario Hené, der den Blödelbarden auf seiner sechs-saitigen Midi-Gitarre begleitete, hatte für seinen Bühnenpartner, der seine Leibesfülle mit dem obligatorischen Hawaiihemd kaschierte, einen Tipp zum Abnehmen parat: „Man soll ja auch nicht mehr essen, als man heben kann“. Jürgen von der Lippe, der die Ächtung des Kannibalismus zumindest für voreilig hält, ließ sich von derlei Ratschlägen wenig beeindrucken, plauderte aus seinem lasterhaften Leben und zitierte eine Lebensweisheit seines Großvaters: „Alkohol in Maßen genossen, kann auch in großen Mengen nicht schaden“. Ein Kindheitstrauma verfolgt ihn noch bis heute: „Bei meiner ersten Begegnung mit Sex hatte ich furchtbare Angst. Ich war allein“. Und so wechselten sich köstliche Parodien und Lieder zur Gitarre, wie die Bergpredigt in der Countryversion, mit der Aufarbeitung der im erzkatholischen Aachen der frühen 60er Jahre durchlebten Pubertät ab. Eingeführt in die Geheimnisse der körperlichen Liebe durch den größten Fachmann im Kollegium, dem Religionslehrer, wundert sich der Hobbyzauberer von der Lippe noch heute: „Da erkärte uns jemand ein Spiel, für das er selbst gesperrt war“.
Einleuchtende Tipps zum Autofahren im angetrunkenen Zustand, „Stockbesoffen sollte man immer in der Fahrbahnmitte fahren, das bietet dem Gegenverkehr mehr Ausweichmöglichkeiten“, ergänzten das über zweistündige Programm ebenso wie die geistreichen Weisheiten über das nicht unproblematische Zusammenleben von Mann und Frau. Da war der wachsende Bauch des Mannes über 40 schnell erklärt: „Da hat der arbeitslose Zwerg wenigstens ein Dach über`m Kopf“. Keine platte Plauderei, sondern für seine Fans, die restlos begeistert waren, ein gelungener Abend. Jürgen von der Lippe, der nach eigenen Angaben seit seiner Pfadfinderzeit unter einer milden Form des Helfersyndroms leidet, bot kurzweilige wie hintergründige Unterhaltung und hatte sein Publikum jederzeit fest im Griff.

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Text und Bilder von Kai Hoffmann