Finnentrop. (ff) In einem Punkt waren sich alle Beteiligten bei der Anwohnerversammlung am Montag im Mittelsaal der Festhalle einig: Die „Stoßdämpferteststrecke“ Kirchstraße bedarf einer dringenden Sanierung. Gregor Humpert von den Gemeindewerken erläuterte den über 100 erschienenen Anliegern die technischen Fakten des, nach Angaben von Bürgermeister Dietmar Heß, „ehrgeizigsten Bauvorhaben der Gemeinde in den letzten Jahren“. Aufgrund der hohen Kostenbelastung sowohl für die Kommune wie auch für die Anlieger habe man die Sanierung so lange wie möglich hinausgezögert.
Bereits im Jahre 1910 gab es erste Planungen zum Bau der Kirchstraße, die 1922 dann größenteils fertiggestellt wurde. Die Anbindung im Bereich der heutigen B 236 erfolgte 1926, desweiteren wurden 1933 und Anfang der 60er Jahre umfangreiche Kanalbaumaßnahmen durchgeführt. Der im Jahre 1987 aufgebrachte sogenannte Dünnbelag, dem nach Herstellerangaben seinerzeit eine Haltbarkeit von fünf bis sechs Jahren prophezeit wurde, ist inzwischen völlig marode. Nachdem die RWE bereits im letzten Herbst unaufschiebbare Reparaturen in einigen Bereichen durchgeführt hatte, steht jetzt ein Austausch der Niederdruck-Gasleitung vom Haus Balkenohl bis zur ehemaligen evangelischen Schule an. Ferner muß die Hochdruckleitung, die 1980 mitten in der Straße verlegt wurde, erneuert werden, da diese eine defekte Isolierung aufweist. Volker Finger vom Planungsbüro  FHD aus Sundern erläuterte mit illustrierten Folien die angedachten Lösungen im Bereich der Fahrbahn und des Gehwegs, der als sogenanntes Rundbord mit einer Breite von rund 1,5 Metern angelegt werden soll. Während an einigen Stellen bei einer Fahrbahnbreite von 4,75 Metern gar der LKW-Begegnungsverkehr möglich sein soll, ist in anderen Bereich lediglich eine Fahrbahnbreite von vier Metern zu realisieren.
Der erste Bauabschnitt, der nach dem Schützenfest im Juli in Angriff genommen werden soll, erstreckt sich von der Gärtnerei Schäfers bis zur Festhalle und wird mit über 400.000 Euro veranschlagt. Auf die Fahrbahnerneurung entfallen 317.400 Euro, der Gehweg schlägt mit 93.000 Euro zu Buche und eine DIN-gerechte Straßenbeleuchtung soll 30.000 Euro kosten. Kosten, an denen die Anlieger gemäß kommunalem Abgabengesetz mit 50 %, beim Gehweg gar mit 60 % zu beteiligen sind, da die Kirchstraße als Anliegerstraße deklariert ist. Doch beim „lieben Geld“ hört der Spaß bekanntlich auf. Genau in diesem Punkt entfachte sich eine hitzige Diskussion: Anwohner Clemens Bernemann bezeichnete die Kirchstraße als „Anliegerstraße mit hohem öffentlichen Interesse“ und forderte gar eine Einzelsatzung. Schützenchef Stefan Wintersohle - der Schützenverein nennt rund ein Drittel der insgesamt 27.000 Quadratmeter Anlieger-Grundstücksfläche des ersten Bauabschnitts sein eigen - brachte die Sorgen der Anwohner auf den Punkt: „Unsere Straße ist der Bypass des nicht beseitigten Bahnübergangs und wird von zahlreichen Autofahrern als Umgehung benutzt“. Als wenig kritikresistent zeigte sich Bürgermeister Dietmar Heß, der bei der vorliegenden Deklarierung als Anliegerstraße keine Debatte zuließ und eine Sonderstellung der Kirchstraße strikt ablehnte. Heß bedankte sich für die harte, aber faire Diskussion, die sicherlich weiterhin für Gesprächsstoff sorgen wird, und resümierte abschließend: „Für heute abend sind wir mit unserem Latein am Ende“.

 

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Text: & Bild: Kai Hoffmann