Datum: 31.08.2007

Quelle: Kai Hoffmann

Bericht kommentieren klick

zurück  


Kai Havaii - Hart wie Marmelade - Ein Rock’n’Roll-Roman aus der Provinz

Finnentrop. (ff) Obwohl nach einer Irrfahrt durchs Sauerland leicht verspätet zum Soundcheck eingetroffen, bringt diesen Mann nichts aus der Ruhe. Fünf Minuten zupfte Gitarrist Stefan Kleinkrieg an seiner Wandergitarre und der Sound stand. Die beiden Künstler, die am Freitagabend von der Kulturgemeinde Finnentrop im Kino präsentiert wurden, sind halt Profis und haben 30 Jahre Rock´n`Roll-Erfahrung in den Knochen.

„Wie das Toast, nur mit v“, so stellte sich Kai Havaii, Sänger der Gruppe Extrabreit, auf der Bühne der „plüschig-roten“ Schützenhof-Lichtspielen den rund 100 Zuhörern vor. Was folgte, war eine schonungslose Abrechnung mit seinem Leben, die er in seinem autobiografischen Werk „Hart wie Marmelade“ nieder geschrieben hat. Eine heitere wie auch schockierende Geschichte, die das Leben eines Popstars der Neuen Deutschen Welle vom Aufstieg auf den Rockolymp bis zum tiefen Fall in den Heroinentzug in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie in Köln-Merheim beschreibt. Die Schattenseiten eines Lebens, das nicht nur „Glück und Geld“ bedeutete.

Aufgewachsen in Hagen, dem Havaii zur damaligen Zeit den „Charme einer eingeschlagenen Fresse“ attestierte, ging es aus der Kommune B 56 in die harte Welt des Showgeschäftes.

Dem Aufbruch der Siebziger zu freier Liebe 

folgten rauschende Höhenflüge und schließlich Kokain-Abstürze und herbe Rückschläge. Bei aller schonungslosen Härte in der Schilderung seiner mehrmaligen Bemühungen um Drogenentzug, berichtet Havaii in seinem Buch aber auch von köstlichen Geschichten, die sein wildes Leben zu Tage förderte.

Extrem komisch die Schilderungen über die Entseuchung der WG, die durch die völlig verflohte Katze seiner Ex-Freundin Waltraud notwendig geworden war. Oder auch das rüde Zusammentreffen mit Udo Jürgens, „dem Großmeister des soziologisch angehauchten Schlagers“, am Tresen des mondänen Park Hilton in München. Extrabreit, sie waren halt die Bad Boys der NDW.

Die Lesungs-Passagen wechselten sich immer wieder mit Unpluggd-Sessions mit seinem langjährigen Gitarristen Stefan Kleinkrieg ab, einem nach eigenen Angaben „mittleren Charakter“. Neben den Breiten-Klassikern wie „Sturzflug“, „Flieger, grüß mir die Sonne“ oder „Polizisten“ erlebten das Finnentroper Publikum, das altersmäßig bunt gemischt war, auch eine Live-Uraufführung: „Andreas Baaders Sonnenbrille“ wird offiziell erst auf dem nächsten Album der Breiten, das im April 2008 erscheinen soll, das musikalische Licht der Welt erblicken. 

Auf die Frage, ob Havaii in seinem Leben aus heutiger Sicht alles noch mal genauso machen würde, erwiderte der ergraute „Revoluzzer der 80er“: „Mit den Erfahrungen, die das Alter mit sich bringt, eher nicht. Es waren ja auch sehr viele negative Dinge dabei“. Trotzdem sind die Jungs zufrieden mit ihrem heutigen Dasein. Und Stefan Kleinkrieg bringt es abschließend auf den Punkt: „Ich könnte mehr Geld verdienen, aber nicht besser leben“. Sprach es und entschwand mit dem „Maitre“ in die Nacht Richtung Hagen, der Wiege von Extrabreit.

Und was gibt`s eigentlich Neues von Extrabreit? Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg hatten zusammen mit den anderen Jungs der Breiten am Mittwoch noch eine Fotosession mit den „Killerpilzen“. Ein Gipfeltreffen von alt und jung im Rockgeschäft an der Schule von Extrabreit-Bassist Lars Larsson.

Im Frühjahr 2008 erscheint endlich das neue Album der Breiten aus Hagen. Und am 30. Januar führen die Jungs zusammen mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt Hagen alte und neue Werke auf. Der 60-köpfige Klangkörper dürfte den Songs neue, galaktische Dimensionen verleihen. Ort der Uraufführung ist das Parktheater Iserlohn. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.

  

klick auf die Bilder zur Vergrößerung