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Kai Havaii - Hart wie Marmelade
- Ein Rock’n’Roll-Roman
aus der Provinz
Finnentrop. (ff) Obwohl nach
einer Irrfahrt durchs Sauerland leicht verspätet zum
Soundcheck eingetroffen, bringt diesen Mann nichts aus der
Ruhe. Fünf Minuten zupfte Gitarrist Stefan Kleinkrieg an
seiner Wandergitarre und der Sound stand. Die beiden
Künstler, die am Freitagabend von der Kulturgemeinde
Finnentrop im Kino präsentiert wurden, sind halt Profis und
haben 30 Jahre Rock´n`Roll-Erfahrung in den Knochen.
„Wie das Toast, nur mit v“, so
stellte sich Kai Havaii, Sänger der Gruppe Extrabreit, auf
der Bühne der „plüschig-roten“ Schützenhof-Lichtspielen den
rund 100 Zuhörern vor. Was folgte, war eine schonungslose
Abrechnung mit seinem Leben, die er in seinem
autobiografischen Werk „Hart wie Marmelade“ nieder
geschrieben hat. Eine heitere wie auch schockierende
Geschichte, die das Leben eines Popstars der Neuen Deutschen
Welle vom Aufstieg auf den Rockolymp bis zum tiefen Fall in
den Heroinentzug in der geschlossenen Abteilung der
Psychiatrie in Köln-Merheim beschreibt. Die Schattenseiten
eines Lebens, das nicht nur „Glück und Geld“ bedeutete.
Aufgewachsen in Hagen, dem
Havaii zur damaligen Zeit den „Charme einer eingeschlagenen
Fresse“ attestierte, ging es aus der Kommune B 56 in die
harte Welt des Showgeschäftes.
Dem Aufbruch der Siebziger zu
freier Liebe |
folgten rauschende Höhenflüge
und schließlich Kokain-Abstürze und herbe Rückschläge. Bei
aller schonungslosen Härte in der Schilderung seiner
mehrmaligen Bemühungen um Drogenentzug, berichtet Havaii in
seinem Buch aber auch von köstlichen Geschichten, die sein
wildes Leben zu Tage förderte.
Extrem komisch die Schilderungen
über die Entseuchung der WG, die durch die völlig verflohte
Katze seiner Ex-Freundin Waltraud notwendig geworden war.
Oder auch das rüde Zusammentreffen mit Udo Jürgens, „dem
Großmeister des soziologisch angehauchten Schlagers“, am
Tresen des mondänen Park Hilton in München. Extrabreit, sie
waren halt die Bad Boys der NDW.
Die Lesungs-Passagen wechselten
sich immer wieder mit Unpluggd-Sessions mit seinem
langjährigen Gitarristen Stefan Kleinkrieg ab, einem nach
eigenen Angaben „mittleren Charakter“. Neben den
Breiten-Klassikern wie „Sturzflug“, „Flieger, grüß mir die
Sonne“ oder „Polizisten“ erlebten das Finnentroper Publikum,
das altersmäßig bunt gemischt war, auch eine
Live-Uraufführung: „Andreas Baaders Sonnenbrille“ wird
offiziell erst auf dem nächsten Album der Breiten, das im
April 2008 erscheinen soll, das musikalische Licht der Welt
erblicken. |
Auf die Frage, ob Havaii in
seinem Leben aus heutiger Sicht alles noch mal genauso
machen würde, erwiderte der ergraute „Revoluzzer der 80er“:
„Mit den Erfahrungen, die das Alter mit sich bringt, eher
nicht. Es waren ja auch sehr viele negative Dinge dabei“.
Trotzdem sind die Jungs zufrieden mit ihrem heutigen Dasein.
Und Stefan Kleinkrieg bringt es abschließend auf den Punkt:
„Ich könnte mehr Geld verdienen, aber nicht besser leben“.
Sprach es und entschwand mit dem „Maitre“ in die Nacht
Richtung Hagen, der Wiege von Extrabreit.
Und was gibt`s eigentlich Neues
von Extrabreit? Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg hatten
zusammen mit den anderen Jungs der Breiten am Mittwoch noch
eine Fotosession mit den „Killerpilzen“. Ein Gipfeltreffen
von alt und jung im Rockgeschäft an der Schule von
Extrabreit-Bassist Lars Larsson.
Im Frühjahr 2008 erscheint
endlich das neue Album der Breiten aus Hagen. Und am 30.
Januar führen die Jungs zusammen mit dem Philharmonischen
Orchester der Stadt Hagen alte und neue Werke auf. Der
60-köpfige Klangkörper dürfte den Songs neue, galaktische
Dimensionen verleihen. Ort der Uraufführung ist das
Parktheater Iserlohn. Der Vorverkauf hat bereits begonnen.
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