Attendorn. (ff) Der Wettergott muß ein Einsehen mit den Gauklern gehabt haben. Nachdem im letzten Jahr so mancher Regenschauer über das Fest hinweggezogen war, belohnte am vergangenen Wochenende herrlichster Sonnenschein die Veranstalter für ihre organisatorische Glanzleistung. Auch in seiner inzwischen 14. Auflage hat das Gauklerfest nicht an Anziehungskraft verloren. Das Team um Otto Haberkamp vom Jugendzentrum und Olaf Geschwinde vom Kulturbüro, das erst kürzlich seinen zehnten Geburtstag feierte, hat wieder ein furioses Feuerwerk komödiantischer wie musikalischer Highlights abgefeuert. Das Gauklerfest hat sich in den letzten Jahren zum angesagtesten Event dieser Art in der gesamten Region gemausert.
Bürgermeister Alfons Stumpf konnte als Schirmherr der Veranstaltung schon am Samstag abend auf dem Alten Markt, der für ihn nach eigenen Angaben der schönste Platz zwischen Münster und Frankfurt ist, tausende von begeisterten Zuschauern begrüßen. Er dankte auch den über 200 ehrenamtlichen Helfern, ohne deren Einsatz eine solche Veranstaltung gar nicht möglich wäre. Der erste Bürger der Stadt outete sich als begeisterter Fan des Gauklerfestes, bei dem er scherzhaft durchaus Parallelen zu den Festspielen in Bayreuth sieht.
Die Show am Samstag wurde von der schwarzen Seele des Souls, Della Miles, eröffnet. Mit ihrer Ausstrahlung und der leidenschaftlichen Stimmgewalt zog sie die johlende Zuhörerschar unter dem feuerspeienden Drachen schnell in ihren Bann. Die als jüngstes von sechs Kindern in Houston/Texas aufgewachsene Della Miles fungierte zu Beginn ihrer Karriere als Background-Sängerin bei Queen LaTifa, Michael Bolton, Stevie Wonder, Oleta Adams und Whitney Houston. Inzwischen tourt die farbige Powerfrau mit einer siebenköpfigen Band durch die Welt und zelebriert eine Mischung aus Rhythm and Blues, Soul-Pop und Funk. In der Bühnenshow etwas eingeschränkt, schließlich kam die temperamentvolle Frontfrau im siebten Schwangerschaftsmonat nach Attendorn, war sie doch immer wieder das musikalische Zentrum auf der Bühne.
Die Swingin Fireballs versetzten die Zuschauer mit verblüffender Authensität in die goldenen 50er Jahre und ließen das Tanzbein nicht zur Ruhe kommen. Louis Prima, Frank Sinatra und Dean Martin ließen grüßen und der schwingende Feuerball stimmte das Publikum auf die Nacht der wilden Weiber ein. Hertha Schwätzig, Krissie Illing und Nessi Tausendschön ließen es verbal mächtig krachen. Frech, kess, herzerfrischend und frivol boten die bissigen Weibsbilder Musikkabarett, Slapstick und akrobatische Einlagen. Ein Spätprogramm über Männer, aber nicht nur für Frauen. Hertha Schwätzig glänzte im selbstgestylten Topflappen-Bustier und machte den Mädels Mut zu weiblichen Formen durch natürliche Schokolade anstelle von künstlichem Silikon.
Der gestrige Sonntag stand dann ganz im Zeichen von Jonglage, Clownerie und Illusion. Die Gaukler hatten die Innenstadt, die förmlich aus allen Nähten zu platzen drohte, fest in der Hand. Artistik, Pantomime und Magie soweit das Auge reichte. Auf den insgesamt fünf Bühnen, Kabarettistin Lioba Albus moderierte die Shows auf der Bühne am Alten Markt, wurde aber neben den klassischen Varieteprogrammen auch reichlich Musik der feinsten Güte geboten.
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Text und Bilder von Kai Hoffmann