Finnentrop. (ff) „Sich immer wieder zusammenraufen und nicht gleich die Flinte ins Korn werfen“, so lautet das Lebensmotto von Otto und Wilhelmine Schulte. Das Jubelpaar feiert am morgigen Sonntag seine diamantene Hochzeit. Die 60 gemeinsam verbrachten Ehejahre waren dabei immer wieder von Höhen und Tiefen geprägt. „Wir mußten immer sehr viel arbeiten, doch das hat uns noch mehr zusammengeschweißt“, zieht Wilhemine Schulte heute Bilanz eines ereignisreichen Lebens, das mit dem Melken der Kühe morgens um vier Uhr in der elterlichen Landwirtschaft begann.. Mitten in den Kriegswirren heiratete das junge Paar am 01. September 1942, nachdem sie sich vor der Hochzeit gerade einmal sieben Mal gesehen hatten. Am Tag der Hochzeit heulten die Sirenen dann auch prompt zum Fliegeralarm und die Glasschalen klirrten im Schrank. Doch alle Wirren und Ängste, Otto Schulte war 18 Monate im Afrikafeldzug unterwegs, wurden gemeinsam gemeistert.
Otto Schulte, seit 1935 ein Schützenbruder mit Leib und Seele, war 1964 Schützenkönig und heimste im selben Jahr auch die Würde des Kreiskönigs ein. Das Finnentroper Original, das auch zu den Gründungsmitgliedern des Spielmannzuges gehört, erinnert sich noch genau an die Fahrt nach Eslohe: „Im Wagen von Paul Schöttes ging es mit Anton Ruhrmann und Willi Scheermann als Offiziere zum Königsschießen“. Beim nachmittäglichen Festzug, bei dem es wie aus Eimern goß, war Königin Wilhelmine dann nicht mit dabei. „Am frühen Morgen war meine Mutter gestorben“, ein Ereignis, das die 81-jährige Jubilarin immer wieder mit diesem Datum verbindet. Neben seiner fünfjährigen Tätigkeit als Hallenwart war der 85-jährige Ex-Lokomotivführer 20 Jahre als Offizier der Bürgerschützen und ebenfalls 20 Jahre als Musiker im Spielmannszug aktiv.
In den Jahren als Hallenwartpaar haben die beiden sicherlich die goldene Zeit der Festhalle erlebt. Wurden die Besucher doch mit Sonderzügen aus nah und fern regelrecht rangekarrt. Betriebs- und Weihnachtsfeiern mit 1000 Gästen waren keine Seltenheit. „Da wurde noch alles frisch gekocht. Nicht wie heute, wo die Saucen oder Salate aus Eimern kommen“, berichtet die leidenschaftliche Köchin, die seinerzeit mit ihrem Team für eine Veranstaltung auch schon mal 1200 Rouladen gewickelt hat. Überhaupt sind die Kochkünste von Wilhelmine Schulte, die als eines von 15 Kindern in Römershagen aufgewachsen ist und nie eine Ausbildung als Köchin genossen hat, regelrecht legendär. So bleibt auch das Rezept des deftigen „Schweinepfeffers“, der anläßlich der jährlichen Agathafeier der örtlichen Löschgruppe serviert wurde, ein wohlbehütetes Geheimnis, das bisher noch niemand annähernd erreichen konnte.
Eigentlich standen die Sterne für die beiden Turteltauben anfangs gar nicht so günstig, hatte doch die Mutter stur auf ihrem Grundsatz „immer der Reihe nach“ den Jungmann der älteren Schwester zugedacht. Doch schließlich bekam Wilhelmine ihren Otto, der mit acht Geschwistern aufgewachsen ist, doch noch. Heute blicken sie auf eine Familienschar von fünf Kindern, zehn Enkeln und sechs Urenkeln und erinnern sich noch gerne an die Zeit, als das Bier noch 15 Pfennige kostete und der sonntägliche Brathering noch für 12 Pfennige zu haben war.
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Text und Bild1 von Kai Hoffmann
Bild 2 u, Bild3 von Ing-Nies zurück