Finnentrop. (ff) Gestern hat sich zum ersten Mal das nervenaufreibende Warten vor der Glück-auf-Schranke in Finnentrop gelohnt, zumindest für die Autofahrer in der ersten Reihe. Hatten die Wartenden doch einen grandiosen Ausblick auf den aus dem Bahnhof in Richtung Siegen ausfahrenden Dampfzug der Museums-Eisenbahn Minden. Doch bevor es soweit war, mußte die „Hannover 7512“ aus der Zeit der Jahrhundertwende erstmal mit Wasser betankt werden. Mit reichlich Verspätung fuhr der aus Letmathe kommende Zug kurz nach zehn Uhr auf Gleis 5a ein, wo die Mannen um Löschgruppenführer Wolfgang Weichhold schon Schlauch bei Fuß standen. Bereits im Vorfeld war den Feuerwehrmännern avisiert worden, daß die im Jahre 1908 gebaute Dampflok in Finnentrop Station macht, um Wasser aufzunehmen. Für die Brandschützer schon eine Routineaufgabe, wurden sie doch schon mehrfach zu derlei Einsätzen gerufen.

Der rund 90 Meter lange Museumszug, der mit sieben Waggons in zwei- und dreiachsiger Bauweise der 2. bis 4. Klasse bestückt war, befindet sich derzeit auf einer einwöchigen Rundreise durch Nordrhein-Westfalen. Auf dieser Reise absolviert der historische „Preußenzug“ eine Strecke von rund 1300 Kilometern, was ansonsten der Jahreslaufleistung des Zuges entspricht. Ein Kraftakt für Mensch und Maschine, bis Samstag gibt es noch Tonnen von Kohle zu verheizen. Die in der Königsberger Union-Gießerei produzierte Lokomotive bringt stolze 63 Tonnen auf die Waage und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern. Doch Lokführer Torsten Wlecke, der leicht am rußverschmierten Gesicht zu erkennen war, zockelte mit seinem Stahlross mit einer Reisegeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern über die Ruhr-Sieg-Strecke. Der 32-jährige aus Preussisch-Oldendorf legte 1992 seine Prüfung zum Triebwagenführer ab und fährt seit rund sieben Jahren Dampfloks.

Die preussische T 11, bei der Reichsbahn später als Baureihe 74 bezeichnet, kam 1998 ins Museum Minden und hat ein Fassungsvermögen von über sieben Kubikmetern Wasser. Für die Brandschützer zwar eine schweißtreibende, aber lösbare Aufgabe. Binnen kurzer Zeit war der Wasservorrat mit einer B-Leitung wieder aufgefrischt worden und die Fahrt konnte in Richtung Bad Laasphe fortgesetzt werden. Lokomotivfüher Torsten Wlecke und sein Team bedankten sich mit einem durch die enge Tallage gellenden Pfiff bei der imposanten Ausfahrt. Eigentlich sollte der von einer Diesellok unterstützte „Preußenzug“ noch einen Abstecher nach Sondern an den Biggesee machen. Doch hier ist für derartige Züge seit dem Rückbau einer Weiche im Bahnhofsbereich, die in einer Nacht- und Nebelaktion von der DB AG ausgebaut worden war, buchstäblich der Zug abgefahren. Mangles Umspannmöglichkeit für die Lok mußte der Veranstalter kurzfristig umdisponieren.

 

 

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Text und Bild von Kai Hoffmann

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