Datum: 02.02.2006

Quelle: Kai Hoffmann

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Winterberg/Finnentrop. (ff) Auf`s Glatteis führen ließen sich rund 25 Journalisten aus dem gesamten Bundesgebiet, und das nicht nur im übertragenen Sinne. Die Eibach-Repräsentantin Christina Surer konnte auf Einladung des renommierten Federnherstellers aus Finnentrop die Redakteure der führenden Automobilzeitschriften zum diesjährigen Bob-Event im Winterberger Eiskanal begrüßen.

Zusammen mit der Schweizerin, die auch als Moderatorin und Rennfahrerin in diversen Markenpokalen und bei Langstreckenrennen aktiv ist, reiste ihr Landsmann Marcel Rohner in Winterberg an. Der olympische Silbermedaillengewinner von Nagano 1998 hatte seinen mit Eibach-Federn ausgestatteten Zweierbob im Gepäck und gewährte den Journalisten einen Blick unter die Haube seines Rennschlittens. Doch nicht das Fahrwerk des Bobs, sprich die Aufhängungen der Kufen, sind mit Federn ausgestattet, vielmehr kommen die Federn im Bereich der sogenannten Bootsteilung zum Einsatz. Mit verschiedenen Federncharakteristiken lässt sich das Ein- und Auslenkverhalten der Sportgeräte bei den Kurvenfahrten entscheidend beeinflussen.

Zusammen mit Klaus Nowak, einer Koryphäe des Bobsports, der dem Schweizer Nationalteam durch seine Entwicklungen schon manchen Sieg beschert hat, stellte Marcel Rohner eine bahnbrechende Entwicklung vor. Die Modifizierung der seit den 20er Jahren eingesetzten Seilzuglenkung, die durch einfache Gummizüge zurückgestellt wird, brannte dem leidenschaftlichen Tüftler Nowak schon lange unter den Nägeln. Auch bei dieser Neuentwicklung, die in der nächsten Woche auf Rohners Heimstrecke im schweizerischen St. Moritz getestet werden soll, kommen Federn aus dem Hause Eibach zum Einsatz. Bei der revolutionären Boblenkung, die zukünftig ohne die antiquiert anmutenden Gummiseile arbeitet, kommen bis zu 20 Rückstellfedern zum Einsatz.

Nach der Einweisung in die komplexe Technik der Bobschlitten, geht es für die Eventteilnehmer in den Eiskanal zum Selbsttest: Langsam machen sich gemischte Gefühle breit: Spazierfahrt oder Höllenritt ? So schnell werden die Jungs wohl mit Gästen nicht fahren, doch bremsen kann man bekanntlich im Eiskanal nur im Ziel. Also doch, Höllentempo und enorme Fliehkräfte ? Einige haben ganz andere Sorgen: Christina Surer, mit Rennfahrzeugen auf Asphalt sehr vertraut, soll sich auf das glatte Nass des Eiskanals wagen. Aber nicht in einem Bobtaxi, sondern in den runden Bratpfannen bei der Wok-WM von Stefan Raab. Bei Marcel Rohner holt sich die Schweizerin Tipps für ihren Liveauftritt am 11. März auf der Bahn in Innsbruck.

Der erfolgreiche Bobpilot, der seine sportliche Karriere bereits im Jahre 2001 beendete, organisiert heute Taxibobfahrten und kooperiert beim Event in Winterberg mit dem hiesigen Olympic Bob Race-Team. Doch erstmal geht es unter fachkundiger Führung von Marcel Rohner vom Zielauslauf in Richtung Starthaus. Noch bevor der sympathische Routinier erwähnen kann, dass beim Bobfahren eigentlich gar nichts passieren kann, rutscht schon ein gelber Zweierbob auf der Seite liegend an uns vorbei durch die Zielkurve. Jetzt frage ich mich zum ersten Mal, was ich hier eigentlich mache.

Bei der Begehung überwinden wir einen Höhenunterschied von 110 Metern und irgendwie scheint jetzt bei den ständig vorbeidonnernden Zweierbobs, die gerade ihr Training absolvieren, alles glatt zu gehen. Also ist es doch kein Problem, die 1.322 Meter lange Strecke heil zu überstehen. Marcel Rohner erklärt uns mit seinem sympathischen schweizer Dialekt alle Tücken der Strecke und kann den Kurs scheinbar noch immer blind abfahren.

Wir machen uns gegenseitig Mut, wären da nicht immer diese Horrorgeschichen des smarten Schweizers, der für seine Anekdoten aufgrund der inneren Anspannung von mir nur gequältes Lächeln ernten kann. Inzwischen ist es dunkel geworden, aber das pochende Herz lässt beim Blick ins idyllisch erleuchtete Winterpanorama keine rechte Romantik aufkommen. Also, nicht lange fackeln, passenden Helm aussuchen und zügig anstellen. Dann habe ich es wenigstens schnell hinter mir, der erste Bob mit Marcel Rohner an den Lenkseilen ist schon sicher im Ziel.

Im Startbereich ist jetzt jeder mit sich selbst beschäftigt. Alle, die schon mal eine Taxibobfahrt überstanden haben, wollen uns Debütanten eine gewisse Routine vorgaukeln. Unser Pilot Reinhard Biber – die Tatsache, dass er bei seinen schon im vierstelligen Zahlenbereich absolvierten Taxifahrten noch keinen Sturz zu verzeichnen hat, beruhigt nur kurz – drängt zum Einsteigen. Ich sitze ganz hinten, eingepfercht wie eine Ölsardine. Keine Polsterung, der Sitz nur eine Nussschale. Das diese Sitzposition die ungünstigste ist, erfahre ich zum Glück erst im Ziel: „Die Jungs ganz hinten kriegen einfach am meisten Druck mit“.

Der sitzende Start verläuft sehr gemächlich und der Bob nimmt bis zu den ersten Kurven nur träge Fahrt auf. Meine beschlagene Brille, lässt durch den Fahrtwind belüftet, wieder eine klare Sicht zu. Das soll alles gewesen sein ? Kurve zwei, die Omega-Schleife, kein Problem, bis Kurve fünf alles easy. Der Kreisel, Kurve sieben, macht richtig Spaß.

Doch was danach abgeht, gleicht schon einem infernalen Höllenritt.

Der Bob macht dramatisch Tempo und rast donnernd auf Kurve acht zu. Der Kopf schlägt wild hin und her, eckt an der oberen Bobkante an, der Druck auf den Körper wächst – wer sitzt da auf meinen Schultern ? Die feuchten Hände beißen sich an den Haltegriffen fest. Nicht genug, daß die Kurve neun in fast vier Metern Höhe höllisch schnell durchfahren wird, sie fällt dazu noch spektakulär ab und kommt dem freien Fall schon ziemlich nahe. Das Durchschnittsgefälle von fast zehn Prozent fordert seinen Tribut, es donnert mächtig in der Rennzigarre.

Der Druck wächst weiter, die Eisröhre wird immer enger, irgendjemand zerrt ständig an mir rum. Der Bob schlägt an der Bande an, die Eisunebenheiten pflanzen sich ungedämpft in meinen Rücken fort. Die folgende Kurvenkombination lässt den Wunsch auf ein schnelles Ende der Runde aufkeimen. Die schnellste Passage zum Schluß, mit fast 130 Stundenkilometern rasen wir durch die Lichtschranke. In Kurve 14 verliere ich fast die Orientierung. Selbst in der ansteigenden Zielausfahrt haben wir noch ein höllisches Tempo drauf. In den umgebauten Gästebobs ist der Pilot auch Bremser, wir kommen endlich zum stehen. 61 Sekunden – Die Zeit ist völlig egal, Hauptsache aussteigen. Aber wie ? Nach den ersten Schritten findet sich auch mein Herz wieder am alten Fleck ein. Ich dachte schon, es wäre mir in die Hose gerutscht. Die Begriffe Fliehkraft und Erdanziehung werde ich jetzt für mich wohl neu definieren müssen. Diesen Ritt auch noch auf einem scheppernden Wok ? Nein danke - Christina, ich lasse Dir am 11. März gerne den Vortritt. Ladies first !

Wenn die Anlage am 12. Februar abgetaut wird, hat das Olympic Bob Race-Team mit seinen sechs Piloten rund 2.100 Gästetouren absolviert. „Wir hätten locker 3.000 Fahrten machen können. Doch die Saison ist in diesem Jahr durch die Olymiade in Turin relativ kurz“, zieht Hans-Jürgen Köhne eine positive Bilanz des Bobwinters. Infos unter www.olympic-bob-race.de

 

 


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