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Winterberg/Finnentrop. (ff)
Auf`s Glatteis führen ließen sich rund 25 Journalisten aus
dem gesamten Bundesgebiet, und das nicht nur im übertragenen
Sinne. Die Eibach-Repräsentantin Christina Surer konnte auf
Einladung des renommierten Federnherstellers aus Finnentrop
die Redakteure der führenden Automobilzeitschriften zum
diesjährigen Bob-Event im Winterberger Eiskanal begrüßen.
Zusammen mit der Schweizerin,
die auch als Moderatorin und Rennfahrerin in diversen
Markenpokalen und bei Langstreckenrennen aktiv ist, reiste
ihr Landsmann Marcel Rohner in Winterberg an. Der olympische
Silbermedaillengewinner von Nagano 1998 hatte seinen mit
Eibach-Federn ausgestatteten Zweierbob im Gepäck und
gewährte den Journalisten einen Blick unter die Haube seines
Rennschlittens. Doch nicht das Fahrwerk des Bobs, sprich die
Aufhängungen der Kufen, sind mit Federn ausgestattet,
vielmehr kommen die Federn im Bereich der sogenannten
Bootsteilung zum Einsatz. Mit verschiedenen
Federncharakteristiken lässt sich das Ein- und
Auslenkverhalten der Sportgeräte bei den Kurvenfahrten
entscheidend beeinflussen.
Zusammen mit Klaus Nowak, einer
Koryphäe des Bobsports, der dem Schweizer Nationalteam durch
seine Entwicklungen schon manchen Sieg beschert hat, stellte
Marcel Rohner eine bahnbrechende Entwicklung vor. Die
Modifizierung der seit den 20er Jahren eingesetzten
Seilzuglenkung, die durch einfache Gummizüge zurückgestellt
wird, brannte dem leidenschaftlichen Tüftler Nowak schon
lange unter den Nägeln. Auch bei dieser Neuentwicklung, die
in der nächsten Woche auf Rohners Heimstrecke im
schweizerischen St. Moritz getestet werden soll, kommen
Federn aus dem Hause Eibach zum Einsatz. Bei der
revolutionären Boblenkung, die zukünftig ohne die antiquiert
anmutenden Gummiseile arbeitet, kommen bis zu 20
Rückstellfedern zum Einsatz.
Nach der Einweisung in die
komplexe Technik der Bobschlitten, geht es für die
Eventteilnehmer in den Eiskanal zum Selbsttest: Langsam
machen sich gemischte Gefühle breit: Spazierfahrt oder
Höllenritt ? So schnell werden die Jungs wohl mit Gästen
nicht fahren, doch bremsen kann man bekanntlich im Eiskanal
nur im Ziel. Also doch, Höllentempo und enorme Fliehkräfte ?
Einige haben ganz andere Sorgen: Christina Surer, mit
Rennfahrzeugen auf Asphalt sehr vertraut, soll sich auf das
glatte Nass des Eiskanals wagen. Aber nicht in einem
Bobtaxi, sondern in den runden Bratpfannen bei der Wok-WM
von Stefan Raab. Bei Marcel Rohner holt sich die Schweizerin
Tipps für ihren Liveauftritt am 11. März auf der Bahn in
Innsbruck. |
Der erfolgreiche Bobpilot, der
seine sportliche Karriere bereits im Jahre 2001 beendete,
organisiert heute Taxibobfahrten und kooperiert beim Event
in Winterberg mit dem hiesigen Olympic Bob Race-Team. Doch
erstmal geht es unter fachkundiger Führung von Marcel Rohner
vom Zielauslauf in Richtung Starthaus. Noch bevor der
sympathische Routinier erwähnen kann, dass beim Bobfahren
eigentlich gar nichts passieren kann, rutscht schon ein
gelber Zweierbob auf der Seite liegend an uns vorbei durch
die Zielkurve. Jetzt frage ich mich zum ersten Mal, was ich
hier eigentlich mache.
Bei der Begehung überwinden wir
einen Höhenunterschied von 110 Metern und irgendwie scheint
jetzt bei den ständig vorbeidonnernden Zweierbobs, die
gerade ihr Training absolvieren, alles glatt zu gehen. Also
ist es doch kein Problem, die 1.322 Meter lange Strecke heil
zu überstehen. Marcel Rohner erklärt uns mit seinem
sympathischen schweizer Dialekt alle Tücken der Strecke und
kann den Kurs scheinbar noch immer blind abfahren.
Wir machen uns gegenseitig Mut,
wären da nicht immer diese Horrorgeschichen des smarten
Schweizers, der für seine Anekdoten aufgrund der inneren
Anspannung von mir nur gequältes Lächeln ernten kann.
Inzwischen ist es dunkel geworden, aber das pochende Herz
lässt beim Blick ins idyllisch erleuchtete Winterpanorama
keine rechte Romantik aufkommen. Also, nicht lange fackeln,
passenden Helm aussuchen und zügig anstellen. Dann habe ich
es wenigstens schnell hinter mir, der erste Bob mit Marcel
Rohner an den Lenkseilen ist schon sicher im Ziel.
Im Startbereich ist jetzt jeder
mit sich selbst beschäftigt. Alle, die schon mal eine
Taxibobfahrt überstanden haben, wollen uns Debütanten eine
gewisse Routine vorgaukeln. Unser Pilot Reinhard Biber – die
Tatsache, dass er bei seinen schon im vierstelligen
Zahlenbereich absolvierten Taxifahrten noch keinen Sturz zu
verzeichnen hat, beruhigt nur kurz – drängt zum Einsteigen.
Ich sitze ganz hinten, eingepfercht wie eine Ölsardine.
Keine Polsterung, der Sitz nur eine Nussschale. Das diese
Sitzposition die ungünstigste ist, erfahre ich zum Glück
erst im Ziel: „Die Jungs ganz hinten kriegen einfach am
meisten Druck mit“.
Der sitzende Start verläuft sehr
gemächlich und der Bob nimmt bis zu den ersten Kurven nur
träge Fahrt auf. Meine beschlagene Brille, lässt durch den
Fahrtwind belüftet, wieder eine klare Sicht zu. Das soll
alles gewesen sein ? Kurve zwei, die Omega-Schleife, kein
Problem, bis Kurve fünf alles easy. Der Kreisel, Kurve
sieben, macht richtig Spaß.
Doch was danach abgeht, gleicht
schon einem infernalen Höllenritt. |
Der Bob macht dramatisch Tempo
und rast donnernd auf Kurve acht zu. Der Kopf schlägt wild
hin und her, eckt an der oberen Bobkante an, der Druck auf
den Körper wächst – wer sitzt da auf meinen Schultern ? Die
feuchten Hände beißen sich an den Haltegriffen fest. Nicht
genug, daß die Kurve neun in fast vier Metern Höhe höllisch
schnell durchfahren wird, sie fällt dazu noch spektakulär ab
und kommt dem freien Fall schon ziemlich nahe. Das
Durchschnittsgefälle von fast zehn Prozent fordert seinen
Tribut, es donnert mächtig in der Rennzigarre.
Der Druck wächst weiter, die
Eisröhre wird immer enger, irgendjemand zerrt ständig an mir
rum. Der Bob schlägt an der Bande an, die Eisunebenheiten
pflanzen sich ungedämpft in meinen Rücken fort. Die folgende
Kurvenkombination lässt den Wunsch auf ein schnelles Ende
der Runde aufkeimen. Die schnellste Passage zum Schluß, mit
fast 130 Stundenkilometern rasen wir durch die
Lichtschranke. In Kurve 14 verliere ich fast die
Orientierung. Selbst in der ansteigenden Zielausfahrt haben
wir noch ein höllisches Tempo drauf. In den umgebauten
Gästebobs ist der Pilot auch Bremser, wir kommen endlich zum
stehen. 61 Sekunden – Die Zeit ist völlig egal, Hauptsache
aussteigen. Aber wie ? Nach den ersten Schritten findet sich
auch mein Herz wieder am alten Fleck ein. Ich dachte schon,
es wäre mir in die Hose gerutscht. Die Begriffe Fliehkraft
und Erdanziehung werde ich jetzt für mich wohl neu
definieren müssen. Diesen Ritt auch noch auf einem
scheppernden Wok ? Nein danke - Christina, ich lasse Dir am
11. März gerne den Vortritt. Ladies first !
Wenn die Anlage am 12. Februar
abgetaut wird, hat das Olympic Bob Race-Team mit seinen
sechs Piloten rund 2.100 Gästetouren absolviert. „Wir hätten
locker 3.000 Fahrten machen können. Doch die Saison ist in
diesem Jahr durch die Olymiade in Turin relativ kurz“, zieht
Hans-Jürgen Köhne eine positive Bilanz des Bobwinters. Infos
unter www.olympic-bob-race.de
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