Datum: 05.02.2006

Quelle: Kai Hoffmann

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Finnentrop. (ff) „Meine große Befürchtung ist, dass eine große Wunde bleibt, falls der Bahnhof abgerissen wird“, lautete das Fazit eines sehr engagierten Plädoyers zum Erhalt des Empfangsgebäudes im alten Ortskern von Finnentrop. Hermann Schmelzer, der 20 Jahre als Stadtdirektor in Drolshagen tätig war, hält die Erwägung eines Abrisses des Bahngebäudes, das sich inzwischen im Besitz der Gemeinde Finnentrop befindet, für politisch unklug. Doch ist diese Entscheidung eigentlich überhaupt schon gefallen ? Hierzu herrschte bei der Bürgerversammlung, die am Donnerstag die Entwicklung der Finnentroper Tallage zur Diskussion stellte, Uneinigkeit. Während die einen von „Phantastereien“ sprachen, rückten die anderen die Pläne schon in greifbare Nähe.

Die  Veranstaltung der Interessengemeinschaft „Alter Ortskern“ war bereits die zweite Diskussionsrunde zu dem Thema in dieser Woche. Nachdem bereits am Mittwoch der CDU-Ortsverband kurzfristig eingeladen hatte, um die Pläne der Öffentlichkeit vorzustellen, fanden sich am Donnerstag nochmals über 30 besorgte Bürger im Gasthof Otto Luke ein, um die unbefriedigenden Zustände an der B 236 zu diskutieren. „Das sich der Bahnhof heute in einem derart desolaten Zustand befindet, ist vielleicht auch gewollt“, unterstellte Hermann Schmelzer der Kommune durchaus ein gewisses Maß an Taktik, sich der ungeliebten Immobilie auf diese Weise zu entledigen. Nachdem momentan die Ansiedlung einer Lebensmittelkette in diesem Bereich diskutiert wird, warnte Schmelzer davor, den Bahnhof gegen einen Discounter einzutauschen. „Nicht wegrasieren, sondern integrieren“, lautete sein Motto zum Erhalt der sanierungsbedürftigen Immobilie.

„Schließlich hat der Bahnhof dem Ort Finnentrop seinen Namen gegeben und nicht umgekehrt“, sieht Schmelzer auch die Gefahr, dass Finnentrop ohne Bahnhof als Haltepunkt für die Bahn AG uninteressant werden könnte. „Welcher Investor ist denn bereit, Geld in die Hand zu nehmen, um dort Geschäfte anzusiedeln? Schließlich reden wir über fast 4000 Kubikmeter umbauten Raum, der sich in einem maroden Zustand befindet“, resümierte Bernhard Sieler und führte weiter aus: „Wenn der PLUS-Markt kommt, ist mir der Spatz in der Hand lieber, als die sprichwörtliche Taube auf dem Dach“. Nachdem die Firma Metten angekündigt hatte, ihre Produktion 2007 komplett ins Industriegebiet Frielentrop verlagern zu wollen, sieht Sieler hier die nächste Brachfläche: „Dann stehen noch mal 16.000 Quadratmeter leer, deren Nutzung heute noch völlig unklar ist“. Das Pro und Contra eines Lebensmitteldiscounters im alten Ortskern wurde kontrovers und engagiert diskutiert.

„Die Bahn denkt nur platt wirtschaftlich. Ein Abriss des Bahnhofs steht nicht im direkten Zusammenhang mit der Schließung des Haltepunkts Finnentrop“, war sich Franz-Josef Vollmert, der die Schiene jeden Tag nutzt, sicher und attestierte dem Verkehrsknotenpunkt bei der derzeitigen Auslastung nach seiner Auffassung beste Chancen auf Erhaltung. Er kritisierte allerdings die desaströse Informationspolitik der Gemeinde beim Umgang mit diesem sensiblen Thema. Während Thorsten Tillmann von der SPD-Fraktion noch von Rahmenplänen sprach: „Noch ist im Rat nichts beschlossen, es gibt noch keine Detailplanungen“, rückte der stellvertretende Bürgermeister Günter Schneider die angedachten Lösungen gar nicht in so weite Ferne: „So vage sind die Pläne gar nicht mehr.

 Wenn der PLUS-Markt kommt, kann auf einmal auch alles sehr schnell gehen“.

Thorsten Tillmann kündigte an, hierzu eine Anfrage im Rat der Gemeinde einzubringen: „Sollte dem Bau- und Planungsausschuss hier bereits weitergehende Pläne vorliegen, als uns das bekannt, so wäre das nicht in Ordnung“. Die Lage im alten Ortskern bleibt weiter spannend, die Bürger stehen den Entwicklungen  gespalten gegenüber. Doch die weiteren Möglichkeiten hängen in entscheidendem Maße von der Beseitigung des Bahnübergangs ab und Schneider ist sich sicher: „Wir waren noch nie so nah dran, wie zum jetzigen Zeitpunkt“.

Bürgerversammlung

 

 


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